Neben der Hochkultur blühte im Mondseeland mehr im Verborgenen eine reiche Volkskultur. Einen besonderen Schatz stellen die vielen überlieferten Sagen und Legenden dar. Mag. Anton Reisinger hat sie über Jahre hinweg gesammelt und nun für Jung und Alt neu erzählt. Viele der Erzählungen wurden mit geschichtlichen und geographischen Anmerkungen versehen. Nun sollen über 130 Erzählungen in einem Buch abgedruck und noch heuer herausgegeben werden. Hier nun einige Sagen, die Geld oder Gold zum Thema haben. Die Vorstellung, verborgene Schätze zu finden und damit reich zu werden oder zumindest dann alle finanziellen Sorgen los zu sein, beschäftigte die Menschen zu allen Zeiten. So wurden auch im Mondseeland früher mehrere derartige Geschichten erzählt. Die riesigen Felsabstürze und Schluchten der sagenumwobenen Drachenwand am Mondsee gaben auch Anlass zu der Vorstellung, dass dort natürliche Goldvorkommen zu finden seien. Darüber erzählt die Sage vom Goldbrünnlein: Das goldene Bründl Am Fuß der Drachenwand, wo der Klausbach rauscht, entsprang früher unter einem Buchenstock eine Quelle. Vor vielen Jahren kam ein fremder Mann in diese Gegend und blieb auf einem Bauernhof über Nacht. Am nächsten Morgen ging er zu dieser Quelle und stellte einen großen Krug unter den Wasserstrahl. Als er nach einem Jahr wiederkehrte, war der Krug voll mit Goldsand gefüllt. So geschah es viele Jahre. Da wollte der Bauer auch sein Glück versuchen und ging den Spuren des Unbekannten nach, er konnte das goldene Bründl jedoch nicht finden.Einmal kam ein Jäger in die Nähe des goldenen Bründls und fand dort glänzende Steine. Er hob einige davon auf und steckte sie in seine Tasche. Im Wirtshaus zu Plomberg zeigte er den anderen Jägern seinen Fund. Da erhob sich am Nebentisch ein fremder, kleiner Mann und wollte die Steine auch sehen. Er bot dem Jäger dafür dreihundert Gulden. Der fremde Mann hatte erkannt, dass die Steine Goldkörner enthielten. Der Jäger wollte daraufhin noch andere solche Steine holen. Er konnte aber den Platz beim goldenen Bründl, wo die Steine lagen, nicht mehr finden. Ebenso gehörte das Finden von versteckten oder verlorenen Schätzen zu den geheimen Wünschen der Menschen. Solche Schätze wurden manchmal von Geistern bewacht und die Schatzsucher brauchten viel Mut. Manchmal war es aber nur Ungeschicklichkeit und Habgier, die das erfolgreiche Heben eines Schatzes vereitelten, wie die Sage von der Goldkiste im Mondsee zu berichten weiß. Die Goldkiste Einmal fuhr ein alter Fischer auf den Mondsee hinaus, um seine Netze einzuholen. Da merkte er, dass sich im Netz etwas sehr Schweres befand. Er musste mit aller Kraft ziehen und war dann nicht wenig erstaunt, als sich im Netz eine Kiste mit Gold befand. Aus Freude über dieses Glück rief er die anderen Fischersleute herbei, um ihnen den Schatz zu zeigen. Als diese sich seinem Boot näherten, rief er: „Jetzt können wir jeden Tag so viel Bier trinken, wie wir nur wollen!“ In diesem Augenblick entfiel ihm die Kiste, die er gerade ins Boot heben wollte und versank. Niemand konnte sie mehr finden. Auch im Kloster Mondsee soll einst in Kriegszeiten ein Schatz versteckt worden sein, davon erzählt die nächste Sage. Im Zusammenhang mit dieser Sage sei auf einen Schatzfund im Bereich der Mondseer Kirche hingewiesen. Im Jahr 1975 wurden bei Grabungen in einer Mauer in der Kirche über 6 500 Münzen und 4 Ringe gefunden. Die Münzen stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Der Zeitpunkt der Vergrabung des Schatzes und der Grund dafür ließen sich nicht feststellen. Der fast 3 1/2 kg schwere Fund ist im Museum Mondseeland in der alten Klosterbibliothek ausgestellt und kann bei einem Museumsbesuch bewundert werden. Der verborgene Schatz
Der Sage nach führt vom Hilfberg herab in die Klostergebäude ein unterirdischer Gang. Als einmal Krieg war, wollte der Abt von Mondsee die Kirchenschätze in Sicherheit bringen. So ließ er die goldenen Monstranzen und Kelche in eine Nische dieses Ganges bringen. Anschließend musste ein Maurer den Zugang vermauern. Ihm waren beim Hin- und Rückweg die Augen verbunden worden, damit er die Stelle nicht mehr finden könne. Der Abt und ein alter Klosterbruder, die den Ort des Schatzes noch kannten, starben bald darauf. Heute ist der unterirdische Gang verfallen und die Stelle des Schatzes unauffindbar.
Abdruck bei Titelenennung honorarfrei
Rückfragehinweis: Wolfgang Mierl, Omnipulica, Mondsee


